Ladakh in Northern India is a hotspot for mountain ungulates and other wildlife. / Die nordindische Region Ladakh ist ein Hotspot für Steinbock & Co und viele weitere spannende Tierarten.

Most people who travel to Ladakh to observe wildlife want to see the elusive snow leopard. Of course it was on my list too. I very much enjoyed wandering around in its habitat, looking also alertly for the snow leopards prey species like Asiatic ibex, blue sheep, urial and argali.

Since most of the usefull information concerning wildlife watching in Ladakh is already available in english at mammalwatching.com, I have written this report in german. The summary below, my species lists and some other stuff you can get in english as well.

Die meisten Leute, die nach Ladakh reisen, um Wildtiere zu sehen, tun dies wegen des seltenen Schneeleoparden. Natürlich hatte ich die Mieze auch auf dem Sucher. Es war eine tolle Erfahrung, in ihrem Lebensraum unterwegs zu sein, nach ihren Spuren zu suchen und dabei ständig auch aufmerksam auf ihre Beutetiere zu achten wie Asiatischer Steinbock, Blauschaf, Ladakh Urial und Argali.

 

Summary / Zusammenfassung

Duration of trip / Reisezeitraum: october 23th to november 7th 2015 – 16 days

Weather / Wetter: mostly sunny, some days overcast, depending on altitude, day time and exposure: pleasant to bone cracking cold (-20°C – guess by locals)

Free ranging wild mammal species seen / beobachtete Wildtierarten: 8

Tibetan Argali (Ovis ammon hodgsoni), Tibet Argali
Asiatic ibex (Ibex sibirica), Asiatischer Steinbock
Ladakh urial (Ovis vignei), Ladakh-Wildschaf
Bharal, Bluesheep (Pseudois nayaur), Bharal, Blauschaf
Kiang, Tibetan wild ass (Equus hemionus kiang), Tibetischer Wildesel
Mountain weasel (Mustella altaica), Altaiwiesel
Ladakh pika (Ochotona ladacensis), Ladakh-Pfeifhase
Large eared pika (Ochotona marcrotis), Großohr-Pfeifhase

 

Birds seen / beobachtete Vogelarten: 35

Himalayan snowcock (Tetraogallus himalayensis), Himalayakönigshuhn
Chukar (Alectoris chukar), Chukarhuhn
Common teal (Anas crecca), Krickente
Rock pigeon (Columba livia), Felsentaube
Hill pigeon (Columba rupestris), Klippentaube
Black-necked crane (Grus nigricollis), Schwarzhalskranich
Common coot (Fulica atra), Blässhuhn
Solitary snipe (Gallinago solitaria), Einsiedlerbekassine
Terek Sandpiper (Xenus cinereus), Terekwasserläufer
Ibisbill (Ibidorhyncha struthersii), Ibisschnabel
Lammergeier (Gypaetus barbatus), Bartgeier
Himalayan griffon (Gyps himalayensis), Schneegeier
Eurasian marsh harrier, (Circus aeruginosus) Rohrweihe
Steppe eagle (Aquila nipalensis), Steppenadler
Golden eagle (Aquila chrysaetos), Steinadler
Common kestrel (Falco tinnunculus), Turmfalke
Great cormorant (Phalacrocorax carbo), Kormoran
Black-billed magpie (Pica pica bactriana), Elster
Red-billed chough (Pyrrhocorax pyrrhocorax), Alpenkrähe
Yellow-billed chough (Pyrrhocorax graculus), Alpendohle
Common raven (Corvus corax), Kolkrabe
Brown dipper (Cinclus palasii), Flusswasseramsel
Blue whistling thrush (Myophonus caeruleus), Purpurpfeifdrossel
White-winged redstart (Phoenicurus erythrogastrus), Riesenrotschwanz
Wallcreeper (Tichodroma muraria), Mauerläufer
Cinereous tit  (Parus cinereus) (kein deutscher Name verfügbar)
Horned lark (Eremophila alpestris), Ohrenlerche
House sparrow (Passer domesticus), Haussperling
White wagtail (Motacilla alba alboides), Bachstelze
Citrine wagtail (Motacilla citreola), Zitronenstelze
Robin accentor (Prunella rubeculoides), Rotkehl-Braunelle
Brown accentor (Prunella fulvescens), Fahlbraunelle
Fire-fronted serin (Serinus pusillus), Rotstirngirlitz
Mongolian finch Rhodopechys mongolicus), Mongolengimpel
Great rosefinch (Carpodacus rubicilla), Berggimpel
 Reiseverlauf / itinerary (in german)

 Sonntag, 25. Oktober 2015

Nach langer Vorbereitung und einer zweitägigen Reise (mit eintägigem Zwischenstopp in Abu Dhabi) treffe ich morgens in Leh, der Hauptstadt Ladakhs, ein.

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Der Himalaya: auf dem Flug von Delhi nach Leh

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Einmalige Aussichten: Beim Anflug auf Leh fliege ich über einen besiedelten Schwemmfächer im Industal.

Ein Mitarbeiter von „WILD WORLD INDIA“ – www.wildworldindia.com – nimmt mich freundlich in Empfang und fährt mich ins Hotel – www.hotelomasila.com.

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Die Terrasse des Hotel „Omasila“

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Apfelernte im Hotelgarten

Nach zwei Nächten ohne Bett bin ich fertig und lege mich am morgen erst noch mal hin. Mittags will ich ein bisschen die Gegend erkunden. Leichte Kopfschmerzen erinnern mich an die Höhe. Leh liegt auf 3500 Metern. Mein Hotel ist am Ortsrand gelegen, die Umgebung wirkt sehr ländlich, was mir für einen kurzen Spaziergang sehr recht ist. Bekomme die ersten Vögel zu sehen: Felsentauben, Elstern, Kohlmeisen, Haussperlinge – inklusive der ersten Exoten: Rotkehl-Braunellen und eine Purpurpfeifdrossel.

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Rock pigeon (Columba livia), Felsentaube

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Blue whistling thrush (Myophonus caeruleus), Purpurpfeifdrossel

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Robin accentor (Prunella rubeculoides), Rotkehl-Braunelle

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Leh boomt: Viele Neubauten entstehen, zum Teil sehr schöne Gebäude.

Montag, 26. Oktober 2015

Für den ersten Tag nach der Ankunft, den man besser ruhig angeht, um sich zu akklimatisieren, ist eine Fahrt zu verschiedenen Wildbeobachtungspunkten vorgesehen.

Ladakh_2015-36Mein Guide von „WILD WORLD INDIA“ heißt Sklalzang Chostak. Vermutlich hat er die Erfahrung gemacht, dass sich Westtouristen an seinem Name die Zunge brechen. Freundlicherweise bietet er auch mir an, ihn „Kc“ zu nennen. Nachdem ich freundlich darauf bestehe, dass er mir seinen ausgeschriebenen Namen buchstabiert und wir nach etlichen Nachfragen, Korrekturen und Sprachübungen endlich damit durch sind, nehme ich sein Angebot dankend an: „Kc“ also. Unser Fahrer heißt Stanzin Gurmet. Nach „Sklalzang“ erscheint mir „Stanzin“ wunderbar eingänglich.

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Der unermüdliche Kc: Viele Stunden täglich verbringt er damit, die Hänge entlang der Strecke nach Wildtieren abzusuchen.

Es geht zunächst das Industal abwärts nach Westen. Immer wieder halten wir an scheinbar zufällig gewählten Punkten an, an denen Kc Hänge und Ebenen mit seinem Spektiv absucht. Natürlich ist nichts zufällig. An allen Orten, die wir ansteuern, hat Kc in der Vergangenheit Wild beobachten können. Beim Ort Tharuche entdecken wir Asiatische Steinböcke, zunächst drei Tiere. Später gelingen auf 415 Meter Entfernung Aufnahmen von zwei der drei Tiere, einer Geiß mit ihrem Jungen.

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Asiatic ibex (Ibex sibirica), Asiatischer Steinbock: Es braucht ein scharfes Auge, um die Tiere in ihrem Lebensraum zu entdecken. Kc hat es.

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Obwohl ich über 400 m entfernt bin, sichert die Geiß zu mir herunter. Das Kitz liegt links davon am Boden.

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Die karge Landschaft gibt nicht viel her, anscheinend aber genug für die Steinböcke.

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Nie sind die Felsen weit, um sich im Falle des Falles dort hin retten zu können.

In Saspotse besuchen wir ein „Homestay“, also einen Bauernhof, in dem man zu essen bekommt und mindestens ein Raum für Touristen eingerichtet ist. Der Tag mit drei Malzeiten und Übernachtung kostet 500 Rupien, also rund 7 Euro. 50 Rupien davon gehen in die Kasse der „Village Conservation“, etwa für Infrastrukturmaßnahmen.

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Der „Snow leopard conservancy India Trust“ unterstützt Frauen in den Dörfern beim Basteln von Filzfiguren, die sie dann an Touristen verkaufen …

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… die Touristen kommen auch wegen den echten Tieren. Die Einheimischen haben dadurch ein Einkommen.

Hier erfahre ich, dass die ladakhische Bevölkerung, die sich überwiegend zum Buddhismus bekennt, zwar mit Viehhaltung ein Einkommen erwirtschaftet, wenn es jedoch ans Verwerten geht, wohl in der Regel ein muslimischer Schlachter engagiert wird.

Wir stoppen außerdem in Ulley und oberhalb (östlich) von Hemis Shukpachan. Ich freue mich über Schneegeier, Alpenkrähe, Bartgeier, Elster, Haussperling, Kohlmeise, Klippentaube und Chukar.

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Cinereous Tit (Parus cinereus) – kein deutscher Name verfügbar

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House sparrow (Passer domesticus), Haussperling

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Black-billed magpie (Pica pica bactriana), Elster

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Und täglich grüßt die Elster … nein, sie kratzt sich.

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Im Land der Pfauen darf man auch die Elstern bewundern.

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Lammergeier (Gypaetus barbatus), Bartgeier

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Chukar (Alectoris chukar), Chukarhuhn

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Chukarhühner sind jetzt im Herbst überall in der Umgebung der Dörfer, auf den abgeernteten Feldern, anzutreffen.

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Ähnlich wie Rot- und Felsenhuhn ruft der Chukar so was wie „Tschuck tschuck tschu tschuck tschuckor“ – womit auch erklärt wäre, woher er seinen Namen hat.

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Erdpyramiden in der Umgebung von Ulley

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Steinbockschädel an einem Haus: keine Trophäen, sondern angeblich Glücksbringer

Dienstag, 27. Oktober 2015

Wir starten zur Etappe Tsokar-Lake, einer Hochebene mit Salzsee, auf 4500 Meter gelegen. Wie sich später herausstellt: zu früh. Beziehungsweise: Nachdem ich mit den „leichten Kopfschmerzen“ ganz gut zurechtkomme, entscheide ich mich, das mitgebrachte Medikament zur Vorbeugung gegen Höhenkrankheit nicht einzunehmen – ein Fehler. Dazu später mehr.

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Perfekt organisiert: WILD WORLD INDIA stellt für die Tour zum Tsokar Lake vier Leute, einen Pkw und einen kleinen Lkw voll Ausrüstung.

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Am Ortsrand von Leh grüßt der Schneeleopard.

Für die 150 Kilometer sind 5 Stunden Fahrt inklusive Pausen und Wildbeobachtung eingerechnet. Erster Stop ist beim „Shey Marsh“, einer Stelle am Indus, südöstlich von Leh, an der sich der Fluss in verschiedene Arme aufspaltet und sich Stellen mit beruhigtem Wasser und Schilfflächen abwechseln. Der Ort ist bei Ornithologen berühmt für seine Ibisschnäbel. Wir kommen an, und fünf Stück der kuriosen Vögel sind einfach da und sehr gut zu beobachten.

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Für Hindus und Ornithologen heilig: die Ufer des Indus beim Shey-Marsh

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Ein Muss für alle Vogelkundler, die die Region besuchen: Ibisbill (Ibidorhyncha struthersii), Ibisschnabel

Ibisschnäbel gehören zu den Regenpfeiferartigen. Aufgrund ihrer einzigartigen Merkmale werden sie jedoch in einer eigenen Familie „Ibidorhiynchidae“ geführt – mit dem Ibisschnabel als einziger Art innerhalb dieser Familie.

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Der Ibisschnabel ernährt sich hauptsächlich von aquatischen Insekten und anderen Wirbellosen

Weitere Beobachtungen bei Shey: Elster, Riesenrotschwanz, Terekwasserläufer.

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White-winged redstart (Phoenicurus erythrogastrus), Riesenrotschwanz

Wir sprechen über Hunde und Wölfe

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Tibetischer Hund vor einer Stupa in Leh

2010 gab es in Ladakh verheerende Überschwemmungen mit rund 500 Toten. Leichen, die nicht gleich geborgen werden konnten, wurden angeblich von Hunden angefressen. Dies soll dazu geführt haben, dass in Folge Hunde Menschen anfielen, mit der Absicht diese zu töten und zu fressen.

Auch in Zusammenhang mit Tollwut stellen die meist herrenlosen Hunde immer wieder ein Problem dar. Vor sechs oder sieben Jahren, erzählt Kc, erkrankte in seinem Dorf Zangla in der Region Zanskar eine Frau nach Hundebiss an Tollwut. Die Krankheit wird nicht erkannt. Die Frau stirbt.

Daraufhin beschließt man im Dorf zu handeln. Die Bewohner – auch hier sind es überwiegend Buddhisten – verabreden sich im Winter, um die Hunde des Dorfs zu töten. Insgesamt erschlagen die Bewohner 26 Hunde, mit Steinen und Stöcken. Wegen des Schnees können die Tiere schlecht fliehen.

Einen oder zwei Monate später werden die Bewohner daran erinnert, wozu sie die Hunde normalerweise in ihrer Nähe dulden: Wölfe kommen nachts ins Dorf und töten einen Esel und eine Kuh.

Und auch Hybride zwischen Wolf und Hund sind laut Kc ein Problem in Ladakh. Sie beißen Menschen und töten Vieh.

Weiter geht die Fahrt

Zwischen Upshi und Gya gibt’s einen einzigen Vogel zu sehen: einen Turmfalken. In Gya halten wir, weil auf den umgebenden Feldern die Chance besteht, Tibet-Rebhühner zu beobachten. Die tun uns den Gefallen nicht, stattdessen zeigen sich kleine Gruppen von Ohrenlerchen und ein großer Schwarm Klippentauben. Eine Bachstelze und ein kleiner Trupp Krickenten kommen ebenfalls auf die Liste.

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Das Dorf Gya, westlich des Taglangla-Passes

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Bizarre Landschaft da oben

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Zwei Kühe queren den Bach, der jetzt Ende Oktober langsam zufriert.

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Horned lark (Eremophila alpestris), Ohrenlerche

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Hill pigeon (Columba rupestris), Klippentaube

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White wagtail (Motacilla alba alboides), Bachstelze

Wir überqueren den Taglangla, den mit 5328 Metern zweithöchsten befahrbaren Pass der Welt.

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Auf dem Taglangla: Mir ist schwummrig, aber ich stehe auf dem Dach der Welt: großartig!

Um 14 Uhr 15 erreichen wir die Abzweigung zum Tsokar Lake. Gleich dahinter weiden die ersten Kiangs. Etwa 25 Stück, die aus 450 Metern Entfernung leicht, ohne dass diese scheu reagierten, zu beobachten sind. Im Lauf des nachmittags bekommen wir ein Paar Schwarzhalskraniche, fünf Argalis, weitere 80 Kiangs und einen 20-köpfigen Schwarm Streifengänse zu sehen. Ich genieße all diese Entdeckungen, aber das Kopfweh kommt zurück und wird stärker.

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Der Leh-Manali-Highway bei der Abzweigung zum Tsokar Lake. Hier wird mir noch mal klar, das ich in der Wüste unterwegs bin.

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Kiang, Tibetan wild ass (Equus hemionus kiang), Tibetische Wildesel

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Wunderschöne Tiere diese Esel

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Black-necked crane (Grus nigricollis), Schwarzhalskranich

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Schwarzhalskraniche gehören zu den selteneren Kranicharten. Sie brüten auf dem Tibetischen Plateau und auch am Tsokar Lake.

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Citrine wagtail (Motacilla citreola), Zitronenstelze

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Ein paar Hauspferde bevölkern ebenfalls die Ebene des Tsokar.

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Unser Camp bei Vollmond

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Willkommen im Küchenzelt

Die Nacht ist schlimm. Kalt. Die Jungs schätzen – 20 Grad. Und vor allem geht das Kopfweh nicht mehr weg. Am Morgen muss ich mich sehr, sehr zusammenreißen.

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Nach einer Nacht mit geschätzten -20°C muss der Diesel im Tank und die Dieselpumpe aufgetaut werden.

Kc entdeckt vom Camp aus 30+ Argalis, deren weiße Hintern auf mindestens sechs!! Kilometer Entfernung durchs Spektiv zu erkennen sind. Wir planen den Riesenwildschafen in großem Bogen entgegen zu fahren.

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Argali Lebensraum am Tsokar Lake: auf über 4500 Metern gelegene, waldfreie Hügelketten

Auf dem Weg dorthin stoßen wir auf eine kleine Herde mit fünf jungen Widdern. Wir kommen auf etwa 400 Meter heran. Es gelingen einige Aufnahmen.

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Die hellen Körper der Aragalis leuchten weit in der Landschaft.

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Das Fell im Nacken der jungen Widder ist dunkel. In dieser Aufnahme mischt sich blöderweise der Schatten der Köpfe dazu.

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Argalis sind äußerst scheu. 400 Meter ist ihnen bereits zu nah. Die Tiere ziehen langsam den Hang hinauf.

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Die extrem massigen Hörner, die den reifen Argalis wachsen, lassen sich bei diesem jungen Widder noch nicht einmal erahnen.

Doch 400 Meter ist den Argalis letztlich doch zu nah. Sie machen sich auf und trotten ohne Hast davon. Wir beschließen, die Gruppe von der anderen Seite des Hügels zu umlaufen. Es sind nach kurzer Fahrt nur wenige 100 Meter zu Fuß zurückzulegen. Aber dafür muss ich schon fast bis zum Äußersten gehen – wie im schlechtesten Abenteuerschundroman, aber in echt: Ich gehe zehn Schritte, halte, atme zehn Züge, weiter. Noch einmal stoßen wir auf die Argalis – herrliche Tiere. Richtig genießen kann ich die Szene aber erst später anhand meiner Bilder.

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Dass Argalis nicht „irgendwelche Schafe“ sind, wird in dieser Aufnahme deutlich: Das Tier links erinnert eher an eine Rappenantilope als an ein Wildschaf.

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Im Vergleich zu den Argalis sind die Kiangs viel leichter zu beobachten: Sie sind am Tsokar häufiger und haben eine geringere Fluchtdistanz.

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Aber auch Kiangs sind Fluchttiere, die ständig sichern, damit ihnen nichts entgeht.

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Ein Kiang-Hengst in typischer Pose

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In den Weiten des Tsokar-Beckens finden die Kiangs idealen Lebensraum.

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Wir brechen ab und fahren ins Camp. Was tun? Essen geht gar nicht mehr. Ich leg mich noch mal hin. Ich schlaf sofort, bringt aber nichts. Das Kopfweh ist nicht mehr zu kontrollieren. Medikamente traue ich mich hier in der Pampa ohne Arztaufsicht nicht zu nehmen. Es bleibt nur eines: abbrechen. Ich muss von dieser Höhe runter. Ich berede den Gedanken mit Kc. Für ihn ist das kein Problem. Also fahren wir. Bei der Abfahrt „grüßen“ uns von der Spitze eines Felsens die ersten Blauschafe, Mutter mit Kitz. Ich döse vor mich hin. Ein Berggimpel knapp vor dem Taglangla (östlich) lenkt ein bisschen ab.

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Great rosefinch (Carpodacus rubicilla), Berggimpel

Auf dem Pass: nur ein kurzes Augenzwinkern. Wir waren ja schon mal ausgestiegen. Einfach weiter. Doch gleich dahinter kommt ein bisschen Hoffnung auf. Ein Ladakh-Pika, groß und strohfarben, wuselt über die Straße. Er schafft es, mich aus der Lethargie zu reißen. Noch ein Stück: eine Herde Blauschafe – 20 Stück -, direkt hinter der Leitplanke.

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Ein junger Blauschaf-Widder direkt an der Passstraße

Die Kraft reicht, die Scheibe runter zu kurbeln. Schön, ein Widder ist auch dabei. Knipps. Um die nächste Kurve, runter unter die 5000-Meter-Marke: noch eine Blauschafherde, 30 Tiere. Das am nächsten stehende Tier ist nur 71 Meter entfernt – schreibt der Entfernugsmesser ins Display. Das kann ich mir nicht entgehen lassen: also zusammengerissen und raus, Stativ aufgebaut, Kamera drauf.

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Die Blauschafe zeigen direkt an der Straße keinerlei Scheu.

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Blauschaf-Geiß: Die schwarzweiße Beinzeichung ist auch typisch für viele Steinbockarten.

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Junger Blauschaf-Widder

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Die Weibchen der Blauschaf tragen kurze Hörner. Das Tier in der Mitte hat offensichtlich eines verloren.

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Ein Steinadler beobachtet das Gelände in der Umgebung der Blauschafherde.

Im Hintergrund hat sich ein Steinadler aufgebaut. Ein Himalayakönigshuhn ruft. Alles wird gut. Zwei Stunden später, 1500 Meter tiefer: alles ist gut. Verflixte Höhenkrankheit: Wie kann man über viele Stunden das Gefühl haben, die indische Kontinentalplatte würde den Prozess der Gebirgsbildung im eigenen Kopf fortsetzen, und kurz darauf fühlt man sich (fast) komplett entspannt? Wie kann das sein?

 

Donnerstag, den 29. Oktober 2015

Geschlafen: diesmal wie ein Himalaya-Murmeltier und mit Erholungseffekt. Hotelangestellte und Guides raten zu weiterer Ruhe und Mäßigung, aber ich muss los, streife durch den Ort, zum Marktplatz, zur Moschee. Ich will zum Palast.

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Moschee in Leh. Im Hintergrund, oben rechts, ein Teil des Palasts.

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Die Umgebung der Palast-Quelle, die man 2009 renoviert hat.

Auf dem Weg nach oben, komme ich an einer Quelle vorbei, die mit einem großen Stein markiert ist. Daneben befindet sich ein kleiner Garten, in dem ein Mann Laub zu Haufen zusammenrecht und dann mit Hilfe einer Flüssigkeit in Brand setzt. Ein weiterer, älterer Mann kommt hinzu. Er dreht eine Gebetsmühle und murmelt sein Mantra. Feuer, Rauch, Männergebrumm: archaische Atmosphäre.

Später passiere ich die Stelle noch einmal – der Weg zum Palast ist länger als gedacht; ich muss aus Zeitgründen abbrechen. Vor dem Stein, der die Quelle kennzeichnet, machen sich eine Frau und ein Kind am Straßerand zu schaffen. Beim Näherkommen fällt mir auf, dass die Umgebung, dort wo sie stehen, feucht ist. Ich bin noch näher dran: Da kommt ja das Wasser aus der Straße, aus einem Loch im Asphalt. Die Frau, die meinen Gruß erwidert, schöpft das Wasser in eine Schüssel. Ich schaue rüber zu dem Stein, der die Quelle markiert. Jetzt fällt’s mir erst auf: Dort, wo die Quelle sein soll, da fließt ja gar kein Wasser. Ich blicke zurück zur Frau und ihrem Straßenwasserloch. Kann das sein? Haben diese Inder hier die Straße über die Quelle gelegt, samt Asphaltdecke, und dann das Quellloch darunter wieder aufgepickelt? Kann das wirklich sein?

Ich meine, das hier ist Ladakh, also Indien. In Indien ist vieles möglich, was anderswo unmöglich ist. Auf fünf Reisen durch den Subkontinent habe ich viel gesehen, aber würden die wirklich so weit gehen? Würden sie eine historisch bedeutsame Quellfassung aus dem 17. Jahrhundert opfern? Und dafür bewusst ein Schlagloch in einer Straße anlegen, aus dem Wasser sprudelt?

Ich muss der Sache auf den Grund gehen. Und ich muss ehrlich sein: Man reist durch Indien, um auf solche Geschichten zu stoßen, um sie dann zu Hause erzählen zu können. Zunächst stehe ich noch eine Weile, gucke. Das Mädchen kichert. Die vermeintliche Mama wirft nur kurze, freundliche Blicke herüber, konzentriert sich darauf, ihr Gefäß optimal zu halten, damit es möglichst schnell vollläuft. Dann frage ich einfach: „Ist das die Quelle?“ Noch mal Gekicher, ein kurzes Getuschel. Ein einziger Satz, dann ist das Phänomen erklärt, die Geschichte zu Ende: Die „Quelle“ unter der Teerstraße ist nur ein geplatztes Wasserrohr.

Tja, da habe ich, der Geschichtensammler, daneben gegriffen. Ich muss lachen, grüß die Mädels und hüpf zurück zum Hotel. Wo nun tatsächlich die Quelle entspringt, ist plötzlich nicht mehr wichtig. Es wird Zeit, nach dem lieben Vieh zu schauen.

In neuer Frische geht es los. Bei Nimmo, wo der Zanskar River in den Indus mündet, haben wir heute gleich Glück.

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Der Zanskar: mündet in den von Osten (links unten) kommenden Indus

Da stehen 138 Meter von der Straße entfernt acht Ladakh-Urial, fünf Geißen und drei Junge.

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Seltener Anblick: Ladakh-Urial. Sie sind die östlichste Wildschafart/-unterart aus der Mufflongruppe.

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Die Ladakh-Urials leben an den unteren Hängen von Bergen entlang des Indus und einiger seiner Nebenflüsse. Hier stehen zwei vor einer Erosionsrinne.

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Hier zeigt sich, dass die Urials nicht nur gute Läufer, sondern auch gute Springer sind.

Die Urials fressen von einer saftig-grünen Pflanze, die eigentlich gar nicht in die karge Landschaft passt. Kc sagt, es handele sich um „Caperbush“, also Kapern. Da ich keine Blüten oder Früchte finde, ist es schwierig, das zu bestätigen, könnte aber sein.

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Ich bin erstaunt, dass es hier in der Wüste überhaupt so üppig wuchern kann.

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Nach den Blättern und der Wuchsform zu urteilen, könnten es Kapernsträucher sein.

Wir fahren an Basgo vorbei. Ich fotografiere Urial-Habitat bei Saspochi. Unten in der Ebene befinden sich Felder mit charakteristischen, roten Büschen. Kc beschreibt sie mit dem Namen „Myriacuriya“. Im Netz finde ich dazu aber keine Hinweise.

Bei Sumdo, einem kleinen Weiler unterhalb von Saspochi, halten wir Ausschau. Im Schatten einer Klippe mache ich die Entdeckung des Tages: eine Herde mit etwa 16 Urials – inklusive Widder!

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Rastplatz der Urials im Schatten einer Schlucht

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Wundeschöne Tiere: Man beachte die schwarz-weiße Gesichtsmaske des Widders.

Aufgrund der Geländelage können wir vom Auto aus bis auf 210 Meter ungesehen näherkommen. Zwischen uns und den Wildschafen liegt eine tiefe Schlucht. Für die Tiere ist das zunächst eine Situation, die sie akzeptieren können, und ich kann prima Aufnahmen machen, vor allem vom alten Widder.

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Ein weißer Sattelfleck ist nur schemenhaft zu erkennen.

Wenig später erschreckt sich eines der Tiere, flüchtet und reißt alle Kollegen mit sich, die nun in wildem, staubigem Galopp hangabwärts fliehen. Wir vermuten oberhalb einen Wolf oder Schneeleoparden, können aber nichts entdecken.

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Auf der linken Körperseite des Widders ist erkennbar, dass sich das Schwarz der Bauchlinie als angedeuteter Halbmond vor das Weiß des Sattelflecks zieht.

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Eines der Tiere erschrickt sich, flüchtet und reißt die gesamten Herde mit sich.

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Durch den wilden Galopp wird ein weiteres Mal deutlich wie trocken das Land ist.

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Typisch Läufer: Es zeigt sich, dass die Urials nicht Schutz in schwer zugänglichen Felsen suchen – wie das Steinböcke und Blauschafe tun – sondern, indem sie Distanz zwischen sich und den vermeintlichen Feind erlaufen.

Beim Rückzug entdecke ich Meerträubel (Ephedra sp.). Kc erzählt, dass die Pflanze mit den orangen Beeren – eigentlich Zapfen – gerne von Schafen, Ziegen und Chukarhühnern gefressen werden.

Wir fahren erneut durch Hemis Shukpachan und nehmen die südlich führende Route vor zum Industal. Entlang dieser Strecke sehen wir mehrere Gruppen von Urials, einmal 16, dann 24, dann 5 Stück. Im Industal dann noch einmal 6. So kommen wir am Ende des Tages auf insgesamt 75 Urial.

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An einer Stelle unterhalb von Hemis Shukpachan, entdecke ich ein Urial-Schaf, das von einem „roten Batzen“ frisst (rechts unten im Bild). Im ersten Moment denke ich an Fleisch …

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… genauer hingeschaut und mit mehr Erfahrung im Feld, wird klar, dass das Schaf an herbstlich verfärbten Rhabarber-Blätter gefressen hat.

Freitag, den 30. Oktober

Am Morgen schauen wir an der Palam-Bridge nach dem Einsamen Wasserläufer, vergebens. Während wir auf der Brücke stehen, rennt ein Altaiwiesel ein Stück entlang der Brücke. Eine Gruppe von Enten im Wasser können wir nicht näher bestimmen. Zwei Komorane sind auf dem Indus unterwegs.

Im Kloster von Tikse findet ein Festival statt, eine schönes, abwechslungsreiches Event. Wir treffen auch auf die ersten zwei Bettler in Ladakh – wie sich später herausstellt: die einzigen der ganzen Reise.

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Farbenfrohes Event in karger Landschaft

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Ein tanzender Dämon lässt Besucherinnen mehr oder weniger ehrfürchtig aussehen.

Am Nachmittag führe ich ein Interview mit Tsewang Namgail, dem Chef der „Snowleopard Conservancy India Trust“ sowie einem Praktikanten. Die Ergebnisse stehen auf einem anderen Blatt …

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Mit vollem Einsatz für die Schneeleoparden: Tsewang Namgail (links)

Samstag, den 31. Oktober

Wir starten die Etappe ins Rumbak-Tal, Hemis-Nationalpark. Diesmal habe ich Diamox, vorbeugend gegen Höhenkrankheit, eingeworfen. Noch im Hotel lerne ich Kerry aus Kanada kennen, der diesen Reiseabschnitt ebenfalls mit WILD WORLD INDIA gebucht hat. Für die nächsten Tage sind wir Reisekollegen.

An der Mündung des Rumbak-Tals zum Indus werden die Autos angehalten und die Umgebung gescannt. Tatsächlich entdecken wir erneut Urials, jeweils zwei an zwei verschiedenen Stellen.

In verschiedenen Berichten, die bei mammalwatching.com veröffentlicht sind, las ich, dass eine Straße in Richtung Rumbak gebaut wird. Wie sich später herausstellt, führt diese Straße mittlerweile an den Lagerplätzen vorbei. Die Arbeiten sind für dieses Jahr offensichtlich abgeschlossen. Trotzdem fahren unsere Autos lediglich bis etwa auf Höhe von Zingchan, wo unser Gepäck dann auf Esel umgeladen wird.

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Noch werden mit Hilfe von Eseln Güter durch die Rumbak-Schlucht transportiert.

Angeblich soll damit der Arbeitsplatz des Eseltreibers gesichert werden, zumindest vorübergehend. Um 14 Uhr sind wir im Lager auf 3700 m fertig eingerichtet, haben gegessen, und ich ziehe gleich los, um die Gegend zu erkunden.

Noch von der Straße aus entdecke ich im Husing-Tal, dass nur ein kurzes Stück oberhalb des Lagers nach Südosten abbiegt, eine Gruppe Blauschafe. Da die kommenden Tage viele folgen, fasse ich alle Sichtungen der Rumbak-Etappe am Ende des Berichts zusammen.

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Ein Blauschaf frisst Meerträubel (Ephedra sp.).

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Ephedra: Nahrungspflanze für viele Tiere in Ladakh

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Auch Bergdohlen beobachte ich dabei wie sie Ephedra-Zapfen pflücken.

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Auch bei diesem Wieselschiss dürfte klar sein, was zuvor gefressen wurde.

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Grandiose Landschaft des Hemis-Nationalparks

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In der Umgebung des Camps, so um 3700 Meter, treffe ich Ende Oktober fast ausschließlich auf Blauschaf-Weibchen und Kitze. Nur einmal ist ein Widder dabei.

Sonntag, den 1. November

Auf dem Weg nach Rumbak kommen wir an einem „holy place“ vorbei.

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Der „heilige Ort“ in der Rumbak-Schlucht

Er ist unter anderem daran zu erkennen, dass in der Umgebung Gebetsfahnen aufgehängt sind. Kc erklärt, dass in den Felsen oberhalb des Wegs eine Form in den Felsen zu erkennen sei. Er spricht von „Lato“, einer vom Felsen ausgehenden Kraft, die beschützt (im Netz kann ich zu diesem Begriff nichts finden). Kc meint, dass es zu kompliziert sei, die Form im Felsen zu beschreiben.

Die Gläubigen haben neben den Fahnen einen Wachholderast zusammen mit einem Stein aufgestellt, um auf das „Lato“ hinzuweißen. Gläubige, die mit dem Pferd passieren, steigen ab, um die Kraft zu würdigen. Kc erzählt weiter, dass einmal am Ladakhischen Neujahrstag, Ende Dezember, zwei Steinböcke an der Stelle auftauchten, die sonst hier im Tal nicht zu sehen sind. Der Beobachter hat die Tiere wohl in Zusammenhang mit dem Feiertag und der heiligen Stelle gebracht. Deswegen würden die Steinböcke hier als heilige Tiere verehrt werden. Aber auch in anderen Gegend Ladakhs sei das so.

Seit wir in der Rumbak-Schlucht unterwegs sind, halte ich nach Flusswasseramseln Ausschau. Die Bedingungen scheinen mir für die Art hier ideal, doch bislang waren sie nicht zu entdecken.

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Brown dipper (Cinclus palasii), Flusswasseramsel

Der deutsche Artname ist für mich ein Beispiel dafür wie stiefmütterlich man bei uns in Sachen Vogelkunde unterwegs ist: Wie kann man nur den asiatischen Verwandten unserer Wasseramsel „Flusswasseramsel“ nennen?! Die Flusswasseramsel unterscheidet sich von allen anderen Arten der Gattung durch das einheitlich braue Gefieder, weshalb sie im englischen Sprachraum auch „Brown dipper“ genannt wird. Was wäre naheliegender als sie bei uns „Braune Wasseramsel“ oder auch „Asiatische Wasseramsel“ zu nennen?!

Wasseramsel an der Kraftstelle

Die Kraft im Fels: Ich kann nicht behaupten, dass ich sie an der heiligen Stelle wahrnehmen würde. Aber ich handle plötzlich ohne zu überlegen, lege einfach den Rucksack ab, schnappe die Kamera und geh runter an den Bach. Ich lege mich über ein großes Geröll auf den Bauch, robbe ein bisschen nach oben, um ungehindert ins Bachbett blicken zu können. Sofort fällt mein Blick auf einen großen Stein, der offensichtlich öfter als Warte für einen Vogel/Vögel dient (die Oberfläche ist von Kotspritzern bedeckt). Nur wenige Sekunden später, und ich höre es schon mit lautem Gezwitscher heranfliegen: ein Flusswasseramsel-Paar. Einer der Vögel umkurvt mich und zischt vorbei. Der andere setzt sich direkt vor mir auf den Stein.

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Flusswasseramsel: ein schlicht gefärbter und doch eleganter Vogel

Ein wunderbarer Moment, erlebbar gemacht durch Intuition – oder vielleicht doch durch eine lenkende Kraft des Heiligen Orts?

Im Staub auf dem Pfad entdecken wir eine Schneeleopardenspur.

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Mögliche Spur eines Schneeleoparden. Ringdurchmesser: 2 cm

Es ist nicht klar, ob der Abdruck authentisch ist oder mit Fingerabdrücken nachempfunden wurde … Jedenfalls erklärt Gurmed, dass sich die Vorderpfoten generell stärker abdrücken, wobei sie nicht größer sind als als die Pfoten der Hinterbeine. Die Männchen sind größer als die Weibchen. Gurmed verneint als ich ihn frage, ob er anhand der Spur auf das Geschlecht schließen kann.

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Kc kontrolliert eine Stelle, die Schneeleoparden mit Urin markieren. Es ist wohl schon länger her, dass hier eine der Katzen vorbeigekommen ist, dennoch vermutet man sie gleich um die Ecke, wenn man gerochen hat.

Wir bekommen weiter erklärt, dass Schneeleoparden im Staub scharren, um eine Stelle zu markieren. Anscheinend entsteht dabei gelegentliche eine Herzform. Wölfe würden auch scharren. Dann seien jedoch die Spuren ihrer Krallen zu sehen.

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Den oberen Ausgang der Schlucht markiert ein Steinhaufen mit einem Blauschaf-Schädel.

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Die Hörner des Blauschaf-Schädels sind durch Jahresringe gegliedert, die sich allerdings zum Ende hin undeutlicher abzeichnen. Auf 9 Jahre könnte es der Widder gebracht haben.

Auf den Feldern in der Umgebung von Rumbak werden Gerste (barley) und Erbsen angebaut. Teilweise sind die Kulturflächen eingezäunt, um Blauschafe davon abzuhalten.

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Dzo am Zaun: Mit Zäunen versuchen die Bauern ihre Kulturen zu schützen – vor Haus- und auch wildlebenden Huftieren.

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Ein wunderschönes Exemplar eines ausgewachsenen Bartgeiers mit orangen Kopfgefieder

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In der Umgebung von Rumbak sind Chukarhühner unterwegs.

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Ein Jung-Chukar flattert von einem Fels.

In etwa 4500 m Höhe entdecken wir auf einem südexponierten Hang zwei Königshühner. Sie sind sehr weit weg. Durch den Sucher der Kamera, dem mein 800er-Objektiv vorgeschaltet ist, kann ich sie kaum erkennen. Erst später auf dem vergrößerten Bild ist zu sehen wie Vorder- und Hinterteil kontrastieren.

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Himalayan snowcock (Tetraogallus himalayensis), Himalayakönigshuhn. Zwei Vögel, ober- und unterhalb des hellgrünen Buschs rechts der Mitte.

Kopf, Brust und Schultern sind hell, der restliche Körper dunkel. Dieses Muster ist kennzeichnend für das Himalaya-Königshuhn. Das Tibet-Königshuhn, das in Ladakh ebenfalls vorkommt, erscheint insgesamt dunkler.

Später brummen zwei weitere Königshühner über uns hinweg. Das Geräusch das die zwei bis drei Kilogramm schweren Vögel im Sturzflug ohne Flügelschlag erzeugen, ist sehr beeindruckend. Später wird im Camp gescherzt, man hätte Angst gehabt, die indische Armee würde ihre Kampfjets schicken.

 

Montag, den 2. November

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Fire-fronted serin (Serinus pusillus), Rotstirngirlitz – Männchen/male

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Fire-fronted serin (Serinus pusillus), Rotstirngirlitz – Weibchen/female

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Die Rotstirngirlitze fressen Samen unter anderem von dieser Pflanze, die ich leider nicht bestimmen kann.

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Bei dieser Pflanze tippe ich auf eine Beifußart.

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„Fire-fronted“: Auch bei der Namensgebung dringt doch wohl die Leidenschaft englischer Ornithologen durch.

Es ist das erste Mal, dass ich Alpendohle und Alpenkrähe zusammen sehe. Pfister (2004) bestätigt das: „Die beiden Arten werden oft beobachtet wie sie zusammen nach Fressen suchen, in gemischten Schwärmen kreisen oder sogar in gemischten Kolonien zusammen brüten.“

Kc meint, die Bergdohle kommt im Vergleich zur Alpenkrähe in größeren Höhen vor. Pfister (2004) bestätigt auch dies. Zum Winter hin steigen die beide Arten tiefer in die Täler ab.

Von einheimischen und ausländischen Bergsteigern

Morgens und am Nachmittag beobachten wir von den beiden Beobachtungshügeln im Husing Valley aus. Nach der Mittagspause gehe ich schon vor und suche entlang der kultivierten Flächen oberhalb des Lagers nach Wollhasen, letztlich ohne Erfolg. In der Zwischenzeit haben sich auch die beiden Führer wieder aufgemacht, biegen aber vorher ins Husingtal ab. Ich folge später und besteige den ersten Hügel, auf dem wir uns verabredet haben. Fast oben angekommen, muss ich feststellen, dass die Jungs nicht hier sind, sondern auf dem Nachbarhügel. Eine dritte Person steht bei ihnen. Wie sich herausstellt, ist es einer aus dem Küchen-Team, der gefolgt ist, um uns mit Tee und Gebäck zu versorgen. Den schicken sie nun, um mir zu helfen, den anderen Hügel zu ersteigen. Unten an der Basis treffen wir zusammen, und ich werde aufgefordert, meinen Rucksack zu übergeben. Das Angebot nehme ich in diesem Fall gerne an.

Und dann bin ich gespannt, ob sich hier ein Klischee erfüllt: Mein Rucksack mit Stativ, 800er-Objektiv und Kleinkram bringt über 20 Kilogramm auf die Waage. Ich bin jetzt in einem Alter, indem ich zum ersten Mal erlebe, dass Leute mit heruntergezogenem Kinn anerkennend nicken, wenn ich mit meinem Pack zu ihnen aufschließe. „You are a real man!“ bekomme ich einmal aus dem benachbarten Camp zu hören. So „real“ fühle ich mich eigentlich gar nicht. Wegen des Gewichts in Kombination mit der Höhe bin ich genötigt, eher „unwirklich“ bedächtig zu gehen. Deswegen muss es wohl das Alter sein, denke ich, wenn die Leute auf die Idee kommen, mich zu loben. – Wo war ich? Ach ja, beim Klischee, dem Klischee vom ewig fitten Himalaya-Bewohner, der die Hänge hoch und runterspringt, und dem dabei keine Last zu schwer ist.

Und tatsächlich: Der kurzgewachsene Küchenassistent schnappt sich meinen Rucksack, hält es noch nicht mal für nötig, den Hüftgurt zu schließen und rast wie ein Schneeleopard mit brennender Schwanzquaste den Berg hinauf. Klar, bin ich schon ein bisschen erschöpft; und klar, ist der Typ einiges jünger und hat Heimvorteil, trotzdem: Wieso kann der so fit sein? Das ist doch nicht normal.

Ich hänge mich also an seine Hacken. Ohne Last schaffe ich es gerade so mitzuhalten. Schritt für Schritt zickzacken wir den Berg hinauf. Es wird warm. Ich fürchte bereits, ihn ziehen lassen zu müssen, weil ich keine Lust darauf habe, oben geschwitzt in der Kälte zu stehen. Doch wie aus dem Nichts bleibt er plötzlich stehen. Hat er was entdeckt? Er dreht sich langsam zu mir um, und ich kann direkt in sein Gesicht sehen. Ich muss lächeln.

Die Menschen in Ladakh sind dunkelhäutig, was wohl der Höhe und der Sonneneinstrahlung geschuldet ist. Naturgemäß ist da nicht viel Spielraum, was Nuancen von Gesichtsfarbe anbelangt. Nun blicke ich aber in ein Gesicht, das man trotz der Grundfarbe als „hochrot“ bezeichnen kann. Die sprichwörtliche Tomate kommt mir in den Sinn. Zudem presst der Schweiß monsunartig durch seine Gesichtsporen. Ein Tropfen löst sich gerade von der Nasenspitze.

Der  Anblick beruhigt mich ungemeinen: kein Schamanismus, keine übernatürlichen Fähigkeiten, die Biologie dieses Ladakhi kann meiner nicht so fremd sein. Ich biete ihm an, den Rucksack wieder zu übernehmen. Aber da zeigt sich der Koch von seiner ehrgeizigen Seite. Er zieht es durch. Oben angekommen, lassen es sich die Kollegen nicht nehmen, ihn ein bisschen zu foppen. Dass er aus der Puste gekommen ist, lächelt der Koch einfach weg.

 

Dienstag, den 3. November

Um 14:30 Uhr beobachte ich in einem Bergsturz- und Schottergelände oberhalb des Lagers Pikas (Pfeifhasen).

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Large eared pika (Ochotona marcrotis), Großohr-Pfeifhase

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Nach dem Verhalten kann man grundsätzlich zwei Gruppen von Pikas unterscheiden: die, die in Kolonien leben und unterirdische Baue anlegen; und diejenigen, die in kleinen Gruppen zwischen Felsen hausen. Der Großohr-Pika gehört zur zweiten Gruppe.

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Wie man das bei dem Artnamen erwarten kann, sind die Ohren groß.

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Im Vergleich zum „bunteren“ Royle’s Pika ist der Großohr-Pika eher blass – in rötlich-braunen und grauen Tönen.

Aus Berichten, die bei mammalwatching.com veröffentlicht sind, entnehme ich, dass die Beobachter sich nicht sicher sind, um welche Art es sich hier in der Rumbak-Schlucht handelt. Infrage kommen Großohr- und Royle’s Pika. Ich habe die Merkmale aus zwei Quellen zusammengetragen und ans Ende dieses Berichts gestellt. Letztlich kann ich mit meiner Bestimmung trotzdem nicht 100-prozentig sicher sein, weil Pfister (2004) angibt, alle gesammelten Exemplare des Großohr-Pika stammten von nördlich des Indus. Unser Beobachtungspunkt liegt jedoch wenige Kilometer südlich des Indus.

Homestay Rumbak

Laut Volkszählung von 2011 gibt es in dem kleinen Bergdorf 36 Haushalte, von denen viele Unterkünfte für Touristen anbieten (homestay).

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Zwei Häuser in Rumbak mit Mani-Steinen im Vordergrund

Die Besucher werden durch ein Rotationsprinzip gleichmäßig auf die Häuser verteilt. Es gibt eine Sommer- und eine Wintersaison. Im Sommer kommen die Wanderer, im Winter die Schneeleoparden-Beobachter. Im Sommer kann es schon mal Engpässe geben. Dann wird bei der Unterbringung improvisiert. Jetzt im Herbst ist es sehr ruhig. Außer Kc und mir sind nur ein indisches Bergsteigerpaar im Dorf und zwei Engländer, die zum Sterne fotografieren hier her gekommen sind.

Das durch den Homestay-Betrieb zusätzlich erwirtschaftete Einkommen hat dazu geführt, dass die Schaf- und Ziegenhaltung aufgegeben werden konnte, ein großer Vorteil für die Wildtiere des Nationalparks.

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Unsere Gastgeberin in Rumbak

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Über einem Kuhpferch haben Bewohner die Schädel von Blauschafen und einem Argali aufgebaut.

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Am Argali-Schädel befestige ich meinen Ring (Ø: 20 mm), um den enormen Horndurchmesser an der Basis zu dokumentieren. Ich messe 135 mm.

Mittwoch, den 4. November

Auf dem Plan steht, den Kandala-Pass zu besteigen, um dort Argalis zu beobachten. Aber schon gleich am Morgen wird klar, dass das nichts wird. Es hat zugezogen; später schneit es sogar leicht. Kc hatte am Vorabend noch wegen eines Esels angefragt. Die Tour mit Lasttier sagt er am Morgen ab. Stattdessen tragen wir selbst und nehmen uns erst mal Yurutse auf 4200 m als Ziel vor.

Auf dem Weg dorthin beobachten wir einen Bartgeier und eine Elster am Boden. Immer wieder hüpfen sie zu einer Stelle, die wir nicht einsehen können und wieder zurück. Der Verdacht liegt nahe, dass sie sich an einem „Kill“, einem getöteten Beutetier, aufhalten – eine Riesenchance, um einem Schneeleoparden nahe zu kommen. Wir beobachten die Szene aus mehreren 100 Metern Entfernung und entschließen uns, in die Nähe der Stelle zu wandern und in einer steilen Rinne aufzusteigen. Das ist superspannend, auch anstrengend, aber da ich den Rucksack zurücklasse, geht es. Letztlich können wir nichts entdecken, aber die Aktion war es wert.

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Zu den wenigen Tieren, die wir in Yurutse beobachten können, zählt diese Rotbrust-Braunelle.

Wir erreichen Yurutse gegen Mittag. Im einzigen Haus des Weilers bekommen wir etwas zu essen. Anschließend fotografiere ich Rotbrust-Braunellen, Chukar-Hühner und Klippentauben. Aber es ist abzusehen, dass es nach oben hin nicht mehr aufreißt. Es rieseln sogar kleine, trockene Schneeflocken. Also brechen wir am frühen Nachmittag den Aufstieg zum Pass endgültig ab und schlurfen wieder talwärts, um unten beim Camp ein vorletztes Mal die Hänge nach Wild abzusuchen. Auf Höhe des „Holy place“ in der Rumbak-Schlucht wird mir klar, dass das Rumbak-Tal mit seinen Caprinae-Arten – Urial, Blauschaf, Steinbock, Argali – weltweit etwas sehr besonderes darstellt.

Caprinae-Artendichte-Rekord

Sehr wahrscheinlich gibt es sonst nirgends auf dem Planeten so viele Caprinae-Arten zusammen auf so engem Raum. In den Alpen kann man Gämse und Alpensteinbock zusammen antreffen. In den Rockies habe ich Schneeziegen und Dickhornschafe am selben Hang fotografiert. In den Qinling-Bergen Zentralchinas fand ich den Schiss von Goral, Serau und Gold-Takin an ein und derselben Stelle. Und hier nun im Hemis-Nationalpark gibt es im Verlauf eines einziges Tals auf einer Gehstrecke von ca. 19 Kilometern Nachweise für vier Arten: An der Mündung zum Industal auf etwa 3300 m: die Ladakh-Urials; zwischen 3700 und 4700 m: die Blauschafe; beim „Holy Place“ auf etwa 3800 m: die Asiatischen Steinböcke; und oben am Kandala-Pass auf 4960 m die Argalis. Das hier dürfte ziemlich einmalig sein.  Vielleicht gibt es in Nepal, im Annapurna Conservation Area eine ähnliche Konstellation mit Serau, Goral, Bharal und Himalaya Thar oder in Butan mit Serau, Goral, Blauschaf und Takin.

Betrachtet man das Thema kleinmaßstäblicher sind zwei Regionen herausragend: das Grenzgebiet von Sichuan zu Tibet mit acht Arten. Nach Smith und Xie (2008) sind dort Blauschaf, Zwergblauschaf, Tschiru, Argali, Chinesischer Goral, Roter Goral und Chinesischer Serau verbreitet. Der Bundesstatt Jammu und Kaschmir im Norden Indiens, der Ladakh miteinschließt, kann sogar noch eine Art mehr vorweisen. Nach Menon (2009) finden sich hier: Tschiru, Himalaya Serau, Himalaya Goral, Himalaya Tahr, Markhor, Asiatischer Steinbock, Ladakh Urial, Argali und Bharal. Das müsste Weltrekord sein.

 

Donnerstag, den 5. November

Ein letztes Mal geht es auf den Aussichtspunkt im Husing-Tal: einmal noch herrliche Bergwelten, grandiose Aussichten, Piepmätze und ein Wiesel.

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Naturbeobachter auf einem der Aussichtspunkte im Husing-Tal

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Brown accentor (Prunella fulvescens), Fahlbraunelle

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Auf der selben Mauer, lugt ein weiterer Vogel hervor …

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… noch eine Rotbrust-Braunelle


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Die Tour ist für mich ein Riesenerfolg. Nach unzähligen Reisen durch europäische und nordamerikanische Gebirge, das Yunnan-Hochland und einige Hügel mehr, empfinde ich diesen Teil das Himalaya wie eine Sahnehaube. Ich habe interessante Leute kennengelernt und viele tierische Erstbeobachtungen gemacht. Einen ganz herzlichen Dank an das Team von WILD WORLD INDIA!

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Schneeleopard mit Beute. Im Idealfall kann man die charismatischen Katzen so sehen. Foto: Theo Schouten/WILD WORLD INDIA

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Petroglyphe im Husingtal: Die Felszeichnung stellt ein Blauschaf samt Bogen dar. Vermutlich ist sie ein Zeugnis einer erfolgreichen Jagd, die zu prähistorischer Zeit stattgefunden hat. Für meine erfolgreiche Jagd mit der Kamera müsste ich eigentlich was Entsprechendes in eine Steinplatte ritzen … die  Webseite hier tut’s vielleicht auch 😉

 

Blue sheep sightings in Hemis-Nationalpark between october 31st and november 4th 2015 in (elevation indications are estimations):

31.10., Husing Valley Lookout

14:00: 2 ♀, 3 juvenils; later joined by: 4 ♀, 1 young ♂,

16:00; at eastfacing slope (in the far distance): 9 blue sheep; same slope: 5 more animals

1.11., Rumbak Junction

10:45: east of Kanda La at 4600 m / lower snowline, northeastfacing slope: about 30 blue sheep; further east: 4 to 5 more

11:30: below Stokla, ca. 4700 m; westfacing slope: about 20 blue sheep still before noon; northfacing slope: about 40 blue sheep

15:50: close to Stockla; westfacing slope: 8 blue sheep, moving upwards late afternoon; close to Rumbak junction; ca. 4100 m: 20 blue sheep, including mature ♂

2.11.; Tarbung Valley

late in the morning, 3700 m; northfacing 8 blue sheep – 1 of them ♂

12:00, 4000 m; southfacing: 12 blue sheep

16:50; above camp; 4600 m, sw-exposing slope: 7 blue sheep; second group on same slope: 9 animals

3.11.; 100 m above camp

7:00, 3800 m, southfacing slope: 8 blue sheep (♀ und juvenils)

Trek to Rumbak: no further sightings

4.11. Trek Rumbak-Yurutse-Camp

no blue sheep sightings (presumably depending on poor visibility)

 

Zusammenfassung Blauschaf-Sichtungen

– Ende Oktober/Anfang November halten sich in der Umgebung des Lagers, inkl. der Mündung des Husing Tals, zwischen 3700 und 3800 m in erster Linie Geißen und Kitze auf; nur einmal beobachte ich auch einen jungen Bock.

– die größte Herde Blauschafe zählt ca. 40 Tiere

– größere Herden (ab 20 Tieren) werden zwischen 4100 und 4700 m beobachtet

– reife Männchen: nur eines auf 4100 m gesehen; mutmaßlich halten sie sich zu dieser Jahreszeit weiter oben auf

 

Summary blue sheep sightings

– at the end of october/beginning of november I see in the vicinity of the camp at 3700 and 3800 m predominantly female blue sheep and their joung; only once do I see a young male

– the biggest herd comprises 40 animals

– bigger herds (20 and more) I see between 4100 and 4700 m

– mature males: I see one at 4100 m; presumably they stay at higher elevations at this time of the year

 

How to distinguish Large-eared pika from Royle’s Pika?

Besides China with 24! species of pika – the most of any country – India’s Himalaya is also a heaven for them. There are 7 differnt species, and in Ladakh alone there are 5. At least two of them – Large-eared pika and Royle’s Pika – can be hard to be told apart. I used two different sources, which can help with the identification.

  Large-eared Pika / Großohr-pfeifhase Royle’s Pika / (kein deutscher Name vergeben)
Pfister 2004 Menon 2009 Pfister 2004 Menon 2009
size small small slightly smaller than Large-eared
skull more arched flatter slightly arched
habitat tallus and rubble fields; slopes covered with rock scree within tallus, rubble fields, or on slopes covered by rock scree and bushes rocky and scree slopes; open rocky or brocken ground; also forests and rock walls in human habitation
eyes low-set
ears large, with longish dense hair-coating inside slightly broader with long hairs inside smaller, lacking the clad of longer hair inside the ear (but photo on page 325 shows ears with long hair) moderately sized with sparse hair
fur colour paler coloured: buffish darker grey over the dorsal area and on the sides, with a slight tinge over crane and nape, dirty-white belly and pale feet pale brownish-grey with an ochre tinge; head and front are paler russet compared to Royle’s chestnut somewhat darker; rufous-washed darker grey brown over the dorsal area and on the sides, with greyish-white belly and pale feet richly coloured: rufous gray body, a chestnut head, shoulders and upper back; reddish purple throat; greyish white to dark grey underparts
distribution north of Indus; higher elevations than Royle’s Pika higher altitudes; alpine areas south of Indus most common pika

 

Literature cited / Quellen:

Menon, Vivek: Field Guide to Indian mammals. A&C Black Puplishers, London, 2009

Pfister, Otto: birds and mammals of Ladakh. Oxford University Press, 2004

Smith, Andrew T. and Xie, Yan: A Guide to the mammals of China. Princeton University Press, 2008